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04.11.2010, Tutorial 16:30-18:30 - Software-QS-Tag, Nürnberg -
Mit Stichproben-Reviews die Dauer von Testphasen vorhersagen
Für Testmanager wird es immer wichtiger, Kompetenzen im Gebiet Reviews und Inspektionen aufzubauen. Diese Entwicklung zeigt sich schon in den Lehrplänen von ISTQB Certified Tester und in den Bestrebungen, einen neuen Zertifizierungsmodul "Certified Review Leader" zu entwickeln.
Im Tutorial wird gezeigt, wie Testmanager mit stichprobenhaft durchgeführten Reviews auf Anforderungs-, Design- und Code-Dokumenten schon frühzeitig im Projekt abschätzen können, ob die Testphasen länger als geplant dauern werden. Da ein signifikanter Anteil aller Softwareprojekte sich verzögert oder ganz abgebrochen wird (siehe Chaos Report 2004), und dies oft erst in den Testphasen erkennbar wird, können Testmanager mit Stichproben-Reviews wesentlich zur Früherkennung von Projektrisiken beitragen.
Der Aufwand in den Testphasen besteht im Wesentlichen aus zwei Blöcken. Ein Aufwandsblock ist immer da, egal ob die Software Fehler hat oder nicht, nämlich das Spezifizieren der Testfälle und das (einmalige) Durchspielen aller Testfälle. Diesen Aufwand können Testmanager in der Regel aus der Größe des Softwaresystems (z.B. gerechnet in Funktion Points) und anderen Daten schätzen.
Der zweite Aufwandsblock, der "Rework-Aufwand", ist annähernd proportional zur Fehlerdichte der Software. Der Rework-Aufwand besteht aus allen Arbeiten, die aus Fehlern resultieren: das Lokalisieren von gefundenen Fehlern, das Korrigieren der Dokumente inklusive Programme, das Ändern der Testspezifikationen, das Wiederholen von Testläufen etc. Die Fehlerdichte und damit der Rework-Aufwand sind leider die großen Unbekannten für Projektleiter und Testmanager. Der Rework-Aufwand macht in typischen Projekten mehr als die Hälfte des Testaufwands aus, ist aber stark variabel, je nach Firma und Projekt. Die Reviewtechnik-Literatur berichtet von Projekten, die im Vergleich zu anderen Projekten eine um Faktor 100 geringere Fehlerdichte hatten. Aus Metriksicht gehört die Fehlerdichte zu den wichtigsten Kennzahlen, die erfolgreiche von gescheiterten Projekten unterscheiden. Im Tutorial wird gezeigt, wie ein Testmanager die Fehlerdichte mit stichprobenhaft durchgeführten Reviews abschätzen kann.
Die Fehlerdichte kann nur ermittelt werden, wenn die Effektivität der Reviews genau genug bekannt ist. Es muss also herausgefunden werden, wie viele der im Dokument vorhandenen Fehler das Reviewteam tatsächlich entdeckt hat. Im Tutorial werden zwei praktikable Ansätze vorgestellt: 1. Die Effektivität wird abgeschätzt durch den Vergleich der realen Inspektionsrate mit der für den jeweiligen Dokumenttyp optimalen Inspektionsrate. 2. Die Effektivität wird durch die Capture-Recapture-Methode abgeschätzt. Diese Methode ist aus der Biologie bekannt und wird verwendet, um die Größe von Tierpopulationen zu ermitteln. In der Softwareentwicklung kann diese Methode ganz analog eingesetzt werden, wenn mindestens zwei Reviewer dasselbe Dokument prüfen.
Testmanager wissen, dass es nicht möglich ist, Qualität in ein Softwaresystem hineinzutesten. Sie wissen, dass die Hilfe für manches Projekt zu spät kommt, wenn die Tester erst in den Testphasen in das Projekt einsteigen. Für das Projekt (und nebenbei erwähnt auch für die eigene berufliche Zufriedenheit) ist es besser, wenn Testmanager frühzeitig im Projekt Reviews und Inspektionen einsetzen können.
Die erste Hälfte des Tutorials besteht aus einer Einführung in Reviews und Inspektionen, so dass auch Teilnehmer ohne Reviewtechnikvorkenntnisse am Tutorial teilnehmen können.
(Koautorin dieses Tutorials: Maud Schlich) |